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Scheiben bei Hotel Orania beschädigt

By chronik on 24. Oktober 2017

Berlin, 24. Oktober 2017

Ein seit Wochen in Berlin verklebtes Plakat mit dem Titel „Wie weiter nach Hamburg?“ fordert unsere Replik heraus. Verschiedene Fragen auf diesem Plakat beschäftigen sich mit den Perspektiven der antagonistischen Bewegung, wenn es diese denn geben sollte.

Natürlich reicht es nicht aus den Feinden der Freiheit alle zwei Jahre mal kräftig auf den Helm zu schlagen. Den politischen Einfluss von Straßenschlachten halten wir für gewichtiger als die meisten gegenwärtig realisierbaren Schäden der Sabotagemilitanz. Weil Straßenschlachten eher eines unserer kurzfristigen Ziele verwirklichen können – mehr Menschen in die Praxis des Widerstands zu involvieren. Niemand startet als militante Kleingruppe sondern eher als Beteiligte/r an einem Krawall. Gibt es diesen Krawall nur sehr selten, ist die Hürde den vorgegebenen Rahmen zu verlassen viel höher.

Deshalb würden wir eigentlich sehr dafür sprechen diese Ereignisse zu provozieren, wie es dieses Plakat in den Raum stellt. Aber es fehlen die Strukturen, die das öfter mittragen würden. Der Alltag vieler Gruppen zwischen den Events ist von erschreckender Harmlosigkeit geprägt. Die in Hamburg praktizierte Radikalität hat keinen Platz in deren Utopie.

Auch für kleinere Zusammenstöße, sollen sie denn sichtbar sein und zur Teilnahme Unorganisierter einladen, ist ein Maß an Vorbereitung, Verbindlichkeit und Affinität nötig, die wir momentan nicht erkennen. Würden uns aber gerne eines Besseren belehren lassen.

Oder wie es „Autonome aus dem Nirgendwo“ in ihrem Text „Freude schöner Götterfunken“ (autonomes Blättchen #30) formulieren:

„Diese Bedingungen sind überhaupt Voraussetzung für weitergehenden Überlegungen: Inwieweit werden wir als organisierte Strukturen in der Zukunft in der Lage sein, in ähnlichen Momenten eigene Impulse zu setzen? Hätten wir in Hamburg mit 200 Leuten etwa einen relevanten Teil weiterer Menschen motivieren können, mit uns in Richtung Rote Zone oder zur Bullenwache in der Stresemannstraße zu gehen?

Voraussetzung bei derart taktischen Überlegungen ist, dass überhaupt Menschen bereit sind, in der Situation Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir uns zukünftig an solchen Kämpfen beteiligen wollen, sollten v.a. organisierte Strukturen in derartigen Situationen Handlungsvorschläge vorbereitet haben.“

Nun, dafür ist es sicher notwendig den Terminkalender der Herrschenden zu verlassen und nicht nur zu den Events des Gegners in der Form wie in Hamburg aufzutreten. Wir müssten eigene Themen an selbstgewählten Orten zu unseren Zeiten in Riots münden lassen um uns weiter zu entwickeln. Als bloße Reaktion auf die Provokation des Feindes kommen wir aus dem 2 Jahres-Rhythmus nicht heraus.

Die klandestinen Aktionen sind in jeder Phase Teil des Widerstands, zur Zeit versuchen wir eher Sachen zu machen, die eine Nachahmung leicht möglich erscheinen lassen. Es wäre aber unrealistisch von Anschlägen eine zündende Wirkung in der Gesellschaft zu erwarten. Hier müssen wir unsere Agitation verbessern, denn dass der Staat auch Angst vor unseren Worten hat, beweist das Verbot von Linksunten. Eine Chance diese Internet-Fixierung zu durchbrechen.

Auf die Frage was uns weiterbringt, – ein Überwinden der Hürden zwischen uns und den Adressaten unserer Politik ist angesagt. Jetzt haben wir also in der Nacht zum 25. Oktober die superharten Panzerglasscheiben des Hotel Orania am Oranienplatz in Kreuzberg mit Hämmern zerstört.

Der Besitzer, Dietmar Müller-Elmau, ein Multimilliardär, der übrigens auch die G7 Staaten in seinem Schloß Elmau in Bayern hofierte, ist ein weiterer Totengräber Kreuzbergs. Wenn sich nun Proteste in der Oranienstraße gegen steigende (Gewerbe)Mieten formieren, was habt ihr eigentlich in den letzten Jahren gemacht, außer von der Gentrifizierung zu profitieren?

Unser Angriff letzte Nacht unterstützt den Protest gegen Verdrängung in diesem Kiez aber wir kritisieren die Gleichgültigkeit, die erst zur Betroffenheit wird, wenns um die eigene Person geht. Die ersten Aktionen gegen die Aggression des Luxus gabs doch vor fast 30 Jahren in der O-straße, Stichwort Kübeln, was haben diejenigen in der Zwischenzeit getan, die jetzt aus Protest ihre Schaufenster kurz verhängen?

Also diese Frage fehlt auf dem Plakat, wie wir die Hürde zu den Adressaten unserer Aktionen überwinden könnten. Konkret wie wir das Hotel Orania zu einem Dauerziel von Aktionen machen können und wer überhaupt auf unserer Seite stehen würde, um die Investoren aus dem Kiez zu jagen. Eine Farbaktion gabs ja bereits schon vorher.

Kreuzberg al dente

Presse https://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article212334451/Scheiben-von-Hotel-Orania-eingeworfen.html

Quelle: Indymedia

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