Farbe und Zement gegen Kriegerdenkmäler

Rostock/Hamburg, November 2018

Anlässlich des bervorstehenden Volkstrauertages waren wir in den vergangenen Nächten in den Dörfern rund um Rostock unterwegs. Mit Zement und Farbe bewaffnet wurden mehr als ein dutzend Gedenksteine verputzt und verschönert. Wir haben uns hierfür explizit Steine ausgesucht die den gefallenen „Helden“ der Weltkriege gewidmet waren. Seit Jahren nutzen Nazis und Faschisten das Gedenken am Volkstrauertag, um durch eigens inszenierte Gedenkaktionen Kriegsopfer für ihre menschenverachtende Ideologie einzuspannen.

Um die örtliche Bevölkerung aufzuklären haben wir vor Ort jeweils ein Schreiben mit der Begründung für unsere Tat hinterlassen:

Sehr geehrte Anwohnerinnen und Anwohner,

zum diesjährigen Volkstrauertag haben wir den hiesigen Gedenkstein zu Ehren der Kriegsgefallenen unkenntlich gemacht. Dies geschah nicht, um das Gedenken an Ihre Ahnen und die Kriegsopfer Ihrer Gemeinde zu verhöhnen, sondern um einer Instrumentalisierung dieser tragischen Schicksale zuvorzukommen.

Seit Jahren nutzen Nazis und Faschisten das Gedenken am Volkstrauertag, um durch eigens inszenierte Gedenkaktionen Kriegsopfer für ihre menschenverachtende Ideologie einzuspannen. In beiden Weltkriegen fielen die meist viel zu jungen Männer nicht um ihre Familien oder ihr eigenes Leben zu verteidigen, sondern im Interesse von Großmachtsbestrebungen, Vernichtungswahn und der herrschenden Elite.

Wir finden es daher besonders heuchlerisch, das Gedenken an die Gefallenen den Rechten zu überlassen- schließlich waren es erst ihre Gedanken und politischen Ansichten, die das millionenfache Sterben zu verantworten haben. Für eine würdevolle, geschichtsbewusste Gedenkpolitik.

Jeder Kriegstote ist einer zu viel.
Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Lokale AntifaschistInnen

Quelle: Indymedia (Tor)

 

 

In der vergangenen Nacht haben wir anlässlich des bevorstehenden „Volkstrauertags“ ein Kriegerdenkmal in Hamburg-Hamm verschönert.

In blutroter Farbe haben wir die als „tapfere Gefallene“ glorifizierten deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges, als das bezeichnet was sie waren: Mörder. Sie unterstützten einen Angriffskrieg, der das deutsche Großmachtstreben in die Welt tragen sollte. Die Kriegsbegeisterung der deutschen Bevölkerung im August 1914 belegt, wie weitverbreitet nationalistisches Gedankengut in der Gesellschaft war.

Auch am 18.11.2018 werden sich wieder jammernde Deutsche vor Denkmälern für deutsche Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges einfinden, um sich in ihrer Opfergemeinschaft zu bestärken. Aus Tätern werden so alljährlich Opfer gemacht und die Leidtragenden des deutschen Größenwahns ausgeblendet.

Mit unserer Aktion haben wir diesen Opfer- und Heldenstatus delegitimiert und den durch Kriegerdenkmäler betonierten Geschichtsrevisionismus sichtbar gemacht.

Es gibt nichts zu trauern!

Deutsche Täter sind keine Opfer!

Quelle: Indymedia (Tor)